Hallo, ich bin Ain
...DIE GESCHICHTE, DIE MIT EINEM FADEN BEGANN…
Schon als Kind war ich eine Beobachterin.
Ich habe Menschen beobachtet, ihre Bewegungen, ihre Worte, die Dinge um mich herum – und die Welt. Besonders in Zeiten, die schwierig waren, habe ich mich oft ins Beobachten zurückgezogen. Vieles, was ich damals gesehen und empfunden habe, ist bis heute in meinem Herzen gespeichert.
Ich konnte stundenlang beobachten. Menschen. Dinge. Farben. Bewegungen.
Und vielleicht begann genau dort mein Weg: mit dem stillen Wahrnehmen.
Meine Geschichte mit Wolle und Handarbeit begann, lange bevor ich selbst stricken konnte. Ich beobachtete meine Mutter beim Stricken. Stundenlang.
Eines Tages bot sich der richtige Moment.
Ich nahm ihre Stricknadeln und die angefangene Arbeit – und begann selbst.
Ich wusste nicht wirklich, was ich tat. Ich dachte nicht darüber nach, ob es richtig war. Ich machte einfach weiter. Nach einigen Tagen war das erste kleine Strickstück fertig.
Es war eines der ersten Dinge, die ich mit meinen eigenen Händen erschaffen hatte.
Ich strickte wieder und wieder. Zwei Knäuel Wolle waren damals mein kleiner Schatz. Ich strickte, ribbelte wieder auf und begann von Neuem – bis die Wolle irgendwann ganz aufgebraucht war.
Eine meiner frühesten Erinnerungen führt mich in einen kleinen Wollladen in Süditalien, ganz in der Nähe unserer Wohnung. Ein schmaler, langer Raum, bis unter die Decke gefüllt mit Wolle und Farben.
Ich war noch so klein, dass ich kaum richtig sprechen konnte.
Aber ich erinnere mich an dieses Gefühl.
Ich sah diese Wände voller Farben und Knäuel – und wusste einfach:
Das ist ein Paradies.
Viele Jahrzehnte später führte mich mein eigener Lebensweg durch schwierige Zeiten, Veränderungen und Situationen, die mich immer wieder vor die Frage stellten: Wer bin ich – und was möchte durch mich in die Welt?
Es war eine Zeit der Selbstfindung.
Und wieder waren es Fäden, Farben und Räume, die Teil meiner Geschichte wurden. Sie begleiteten mich, gaben mir Ausdruck und wurden zu einer Sprache, mit der ich mich selbst und die Welt um mich herum immer besser verstehen konnte.
Irgendwann entstand daraus etwas Neues: mein eigener Woll- und Designladen.
Ein Ort, an dem meine Liebe zu Material, Farbe, Handwerk und Gestaltung Raum bekam. Ein Ort, an dem Ideen entstehen und Menschen zusammenkommen. Ein Ort, an dem sich meine eigene Geschichte mit den Geschichten anderer Menschen verbindet.
Heute, elf Jahre später, ist diese Liebe nicht kleiner geworden.
Im Gegenteil.
Mit jedem Jahr ist meine Wertschätzung gewachsen – für natürliche Materialien, für die Menschen, die sie herstellen und verarbeiten, für die Tiere und für unsere Umwelt. Und für das, was entsteht, wenn wir uns Zeit nehmen, etwas mit unseren eigenen Händen zu erschaffen.
Denn ich glaube, dass in jedem Menschen etwas Einmaliges lebt.
Eine Idee.
Eine Farbe.
Eine Form.
Eine Geschichte.
Eine eigene Art, die Welt zu sehen.
Meine Freude ist es, Räume zu öffnen, in denen dieses Eigene sichtbar werden darf.
Menschen zu inspirieren, ihrer Kreativität zu vertrauen, etwas auszuprobieren, mit den Händen zu gestalten – und vielleicht dabei etwas von sich selbst zu entdecken.
So wie ich als Kind irgendwann die Stricknadeln meiner Mutter in die Hand genommen habe.
Ein Faden. Eine Bewegung. Ein Anfang.
Und vielleicht beginnt genau so jede eigene Geschichte…



